Ariane Roth mit nachdenklichem Blick auf der Straße – Beitragsbild zum Blog „Die Zukunft des Singens im KI-Zeitalter – Was bleibt von uns?“

Die Zukunft des Singens im KI-Zeitalter – was bleibt von uns?

In den letzten Wochen habe ich viele Gespräche geführt. Mit Künstlern, Kollegen:innen, Produzenten, Sprecher:innen. Denn eine Frage beschäftigt uns aktuell alle: Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz plötzlich auch gut singt?

Und was bedeutet das für uns Sänger:innen, für Menschen, die mit ihrer Stimme arbeiten als Sprecher oder Sänger ?

Ich habe dieses Jahr mit meinem Freund, Produzenten und Musikerkollegen Thomas Foster aus Salzburg den Song Everybody Gotta Learn Sometimes veröffentlicht. Thomas ist nicht nur Produzent und Komponist – sondern beschäftigt sich intensiv mit dem Thema KI in der Musik. Gerade hat er ein Buch dazu veröffentlicht: Künstliche Intelligenz in der Musik- und Audioproduktion“.

Im aktuellen Beitrag vom Deutschlandfunk kommt Thomas ebenfalls zu Wort – hör gerne rein, ich finde es einen sehr spannenden Beitrag. (Den Link findest du am Ende dieses Artikels.)

KI ist längst da – oft merken wir es gar nicht mehr

Viele denken noch, KI ist etwas Zukünftiges. Dabei hat sie längst Einzug in unseren Alltag gehalten – ohne dass wir es bewusst wahrnehmen: im Auto, im Haushalt oder im Job. Sie schreibt Texte, optimiert Arbeitsabläufe und beantwortet Fragen.

Aber was bedeutet das für die kreative Welt?

Was bedeutet KI für uns Sänger:innen?

Diese Frage beschäftigt mich schon länger. Denn ich bin (wie du weißt) mit Musik groß geworden: Ich habe Flöte, Zither, Cello, Cembalo und Klavier gespielt. In meinem Studium am Mozarteum in Salzburg habe ich mich dann auf Blockflöte spezialisiert – alte Musik ist für mich der Jazz der Klassik. Eine Reise durch Jahrhunderte, von Mittelalter bis Zeitgenössische Musik.

Nach meinem Diplom mit Auszeichnung folgte ich dann meinem inneren Ruf, als Sängerin zu arbeiten. Was für eine Reise!

Ob als Solistin oder Backgroundsängerin – unter anderem sang ich viele Jahre mit Lou Bega, Hans Söllner, als Chorsängerin für Ralph Siegel, auf der Bühne Backing Vocals u.a. für Paul Young, den Weather Girls, Chris de Burgh – oder bis heute in meinem Soloprojekt AZA’S LOUNGE (Classic meets Pop): Ich bin privilegiert: Ich darf mich musikalisch und kreativ austoben. Für mich war das immer schon ein purer Ausdruck von Freiheit und Identität.

Und plötzlich stehen diese Frage im Raum:

Braucht es unsere Stimmen noch?

Oder reicht irgendwann die KI?

Singt meine KI Stimme besser als ich?

Fragen, die mich gerade beschäftigen:

•Können KI-Stimmen genauso berühren wie echte Künstler:innen mit echten Biografien und echten Emotionen?

•Geht es in der Musikindustrie bald nur noch um schnell, günstig, effizient – statt um echt, nachhaltig, künstlerisch, unperfekt einzigartig?

•Kann KI für Sänger:innen ein hilfreiches Werkzeug sein – oder ist sie plötzlich die bessere Alternative, die uns komplett ersetzt?

Für mich steht fest:

Es gab immer technische Neuerungen in der Musik – wie die Erfindung des Synthesizers.

Sie haben neue Sounds, neue Epochen, neue Künstler hervorgebracht.

Aber mit KI betreten wir nochmal eine andere Ebene.

Ich glaube, dass es jetzt entscheidend ist, dass wir bewusst mit dieser Technik umgehen und klare Regeln aufstellen.

Dass wir Menschen mit echten Biografien, echten Emotionen und echter Stimme weiterhin als kostbare Ressource betrachten und die Persönlichkeits- und Künstlerrechte schützen.

Echte Stimmen in Konzerten bleiben Gänsehauterlebnisse, die keine KI der Welt ersetzen kann

Ich werde das Adele-Konzert in München letztes Jahr nie vergessen.

Ihr letzter Auftritt in Deutschland, extra für sie wurde, wie du vielleicht weißt, ein Stadion in München aufgebaut.

Ich habe sie singen, sehen, spüren dürfen – in ihrer Größe, in ihrer Einzigartigkeit, mit ihrer Jahrhundertstimme.

Der Moment, als sie sich von uns, ihrem Münchner Publikum verabschiedete, mit den Worten, sie würde jetzt für ein paar Jahre abtauchen, um ein privates Leben zu führen – der war zutiefst berührend.

Alle im Stadion waren still. In diesem Moment waren wir alle mit ihr verbunden.

Oder bei ihrem Song „Hello“ zu Beginn der Show, zeigte sie uns mit einem kleinen Augenzwinkern, dass sie bei einer Stelle gerade nach so vielen Monaten Tour und Shows mit dem Song zu kämpfen hatte – weil einfach auch sie bei ihrem letzten (zehnten!) Auftritt müde war. Ihre Stimme war müde. Parallel zur Tour lief ja immer noch ihre Show in Las Vegas. Trotzdem sang sie einzigartig und wunderschön!

Vielleicht gerade deshalb, weil sie sich menschlich und nahbar zeigte – war es ein unvergesslicher Gänsehautmoment.

Jedes Mal, wenn ich heute Adele höre, bin ich zurück in dieser Sommernacht in München.

Und ich glaube: Genau das ist es, was eine menschliche Stimme kann.

Berühren. Erinnern. Verbinden.

Eine KI kann vielleicht perfekt singen. Aber sie erzeugt keine Erinnerungen.

Ich wünsche mir:

💛 Dass wir als Künstler:innen weiterhin sichtbar bleiben und wertgeschätzt werden – mit all unserer Echtheit und Unperfektheit.

💛 Dass du als Leserin Künstler:innen in deinem Umfeld unterstützt, wertschätzt, ihnen deine Aufmerksamkeit schenkst.

💛 Dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass diese echten Stimmen nicht aus der musikalischen Landschaft verschwinden.

💛 Und dass Sha la la ein Ort für dich ist, wo du deine Stimme – ganz unabhängig von Perfektion –als kostbare Ressource erleben und stärken kannst.

Denn deine Stimme ist dein kostbarer Ausdruck. Besser als jede KI.

Deine Stimme ist deine Verbindung zur Welt. Dein achtsamer Moment.

Viele herzliche und klangvolle Grüße,

Ariane

🎧 Zum Radiobeitrag:

Deutschlandfunk Kultur – Die Zukunft des Singens in Zeiten von KI:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-zukunft-des-singens-in-zeiten-von-ki-100.html

Ariane Roth vor dem ADELE-Schriftzug in München vor dem Konzertbesuch
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